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Ein Jahr Leben mit "Corona". Ein Kommentar.

Teil 2

Ein Jahr mit Corona und ich erlebe mittlerweile ein aufgeheiztes und zutiefst bedrückendes gesellschaftliches Klima, welches eine nie dagewesene Spaltung der Menschen bewirkt hat. Nach den gesellschaftlichen Spaltungen der vergangenenen Jahre zu Themen wie Kriegsführung, zur Flüchtlingskrise oder zum Klimawandel haben wir nun einen neuen Höhepunkt erreicht. Diese neue Spaltung springt uns allen jeden Tag auf der Straße oder im Beruf schon in Form einer Maske - oder eben keiner - im Gesicht unserer Mitmenschen entgegen. Diese Spaltung bringt das eine Extrem des Spektrums zu unkritischem Gehorsam bis hin zur Selbstverletzung durch selbst auferlegte Isolation und Angst vor menschlichen Kontakten. Das gegenüberliegende Extrem bringt Menschen bis dahin, ihre Existenzen oder ihren „guten Ruf“ zu gefährden, da sie sich leisten, eine eigene Meinung zu haben und öffentlich mitzuteilen 1), 2), 3).

Fallen Ihnen auch zunehmend unterschiedliche Gesichter Ihrer Mitmenschen in unterschiedlichen Situationen auf? Und das soll nun keine scherzhafte Anspielung auf die „Maskerade“ sein. Ich nehme wahr, dass in öffentlichen Situationen das geforderte Verhalten von vielen unkritisch praktiziert wird, während in geschützten Räumen durchaus einmal Zwiefel und Sorgen geäußert werden. Das ist für mich ein starkes Anzeichen für das Herrschen eines totalitären Elements in der Gesellschaft.

Die deutschen Regierungen in Bund und Ländern agierten in diesem Jahr jenseits verfassungsgemäßer Grundsätze. Es gibt scheinbar nur noch die eine dargestellte „Mehrheitsmeinung“ in den großen Medien, die in eine permanente Krisenerzählung eingebettet ist, die im Format eines Hollywood-Kassenschlagers präsentiert wird 4), 5). Diese vermeintliche Mehrheit der Bevölkerung befragt man aber sicherheitshalber lieber nicht in einem Volksentscheid über die stattfindende Politik. Gegenstimmen hört man gar nicht gerne, da wird schon einmal zensiert 6) oder lächerlich gemacht 7). Darüber scheint der Staat sich so zu freuen, dass dieser nun etablierte privatwirtschaftliche Medien mit Steuergeldern unterstützt, während alternative und oftmals spendenfinanzierte Medien einer Kontrolle der Landesmedienanstalten unterstellt werden 8), 9). Dass das viele Geld für die etablierten Medien gut angelegt ist, kann man am Beispiel eines öffentlich-rechtlichen Coronaspiels sehen. Da zahlt man doch gerne seine Gebühren.

Wenn der Fall der Coronagefahr so eindeutig und die daraus folgenden Maßnahmen so einleuchtend sind, wieso reagiert der Staat und reagieren die Massenmedien so sensibel auf Widerspruch? Ist das souverän? Oder ist hier einfach nur der letzte Putz von der Fassadendemokratie 10) abgefallen und zeigt sich nun ganz offen das, was Professor Mausfeld als den autoritären Kapitalismus 11) und Kartellparteien 12) bezeichnet? Vielleicht ist es aber auch ganz einfach nur die Angst, womit wir wieder beim Ausgangsthema meines Kommentars wären. Die Angst davor, dass eine Weltvorstellung, die man sich einmal aufgebaut hat, wieder auseinanderbricht, und sei diese Vorstellung noch so düster und verquer. Die Angst auch davor, dass man sich vielleicht persönlich eine Fehleinschätzung eingestehen muss. Eine Fehleinschätzung auf Seiten von Virologen, die ein Massensterben vorhergesagt haben, welches offensichtlich nicht eingetreten ist, auf Seiten von Politikern und Journalisten, die diesen Virologen gefolgt sind und dann auch teilweise auf Seiten der Bevölkerung die wiederum den Politikern und den sie darstellenden Medien gefolgt ist.

Wo dem Widerspruch in den Massenmedien schon im Keim ein starker Wind entgegenbläst, sind auf der anderen Seite die bizarrsten journalistischen Erzeugnisse in diesem Angstjahr möglich geworden, die die herrschende Erzählung unterfüttern. Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob Sie eine ansteckende Sprache sprechen 13)? Wussten Sie, dass nicht die Masken bei Kindern ein Problem darstellen, sondern deren besorgte Eltern 14)? Handelt es sich bei Ihnen vielleicht um eine psychisch auffällige Mutter, die ihrem Kind keine Maske aufnötigt? 15). Verhaltensauffälligkeit muss man ja nicht grundsätzlich negativ sehen. Man kann man es einfach nur so sehen, dass man sich nicht so wie die dargestellte Mehrheit in der Gesellschaft verhält. Die abschließende Bewertung erfolgt meistens erst rückblickend. Insofern waren Demokraten im deutschen Kaisserreich genauso verhaltensauffällig wie Nazis in der Weimarer Republik oder Demokraten im (National-)Sozialismus und eben heute „Coronaleugner“ in der Coronakratie, oder wie immer man die Herrschaftsform nennen möchte, der wir dieser Tage unterliegen.

Wer von Ihnen werte Leser ist in der Lage sich eine eigene Vorstellung davon zu machen, wie ein demokratisches und positives Zusammenleben aussehen könnte? Demokratie: was ist das für Sie? Alle vier Jahre einen aufgeheizten medialen Wahlkampf zu verfolgen, um dann unter dem Eindruck der letzten Fernsehsendung ein Kreuz auf einem Zettel zu machen, nur um festzustellen, dass es ohnehin keinen Unterschied macht 16)? Oder ist Demokratie etwas, das wir selbst jeden Tag in unseren Handlungen und unserem Zusammenleben pflegen müssen, um Missbrauch zu verhindern und unsere eigene Lebenswirklichkeit selbst zu gestalten?

Freiheit von Angst gehört aber nicht nur zur Atemluft lebendiger Demokratie; sie ist ein Grundbaustein rechtsstaatlicher Freiheit und umgekehrt erfüllen rechtsstaatliche Institutionen ihren Sinn dann, wenn sie zur Befreiung von Angst beitragen.

Erhard Denninger. Verfassungstreue und Schutz der Verfassung (1979). Vollständige Version des Buchs auf docplayer.org.

Auch wenn wir nur unsere aktuelle Verfassung und unser gepflegtes Verständnis von parlamentarischer Demokratie als Grundlage nehmen: Demokratie muss meiner Meinung nach zum mindesten immer zu einem Interessenausgleich zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen führen. Auch wenn es um Gesundheit und auch wenn es um Menschenleben geht. Kein Grundrecht ist maximal und höher zu bewerten als ein anderes. Auch wenn sich mancher schon in der Vergangenheit gegen den sogenannten »internationalen Terrorismus« - einem mittlerweile nicht mehr so vorherrschenden Angstthema in den Medien - ein „Supergrundrecht Sicherheit“ 17) gewünscht hat.

Sollten Sie hinsichtlich der Bewertung von „Corona“ immer noch Verwirrung, oder mittlerweile eine Überreizung empfinden, so rate ich Ihnen - ähnlich wie Daniele Ganser in seinem Vortrag - einfach einmal drei Tage alle Medien abzuschalten. Auch die sozialen Netzwerke. Sprechen sie nur noch in der Wirklichkeit mit Menschen um sich herum. Beschäftigen Sie sich nur mit dem, was in Ihrer persönlichen Lebenswirklichkeit passiert. Damit, wie sich die Menschen in Ihrem Umfeld verhalten und wie es Ihnen selbst geht. Nach diesen drei Tagen setzen Sie sich einmal eine halbe Stunde zu Hause in Ruhe hin und lassen alles auf sich wirken. Dann fragen Sie sich, was hier in einem Jahr passiert ist, ob es Grund zu vermehrter Angst gibt und wie Sie gerne leben würden.

Vielleicht gehören Sie zu der Gruppe Menschen, die sich nicht die Zeit nehmen können oder wollen, sich aktiv mit dem Themenkomplex »Corona« auseinanderzusetzen. Vielleicht bilden Sie, wie Prof. Mausfeld ausführt, über die wahrnehmbare Bandbreite der Meinungen den Mittelwert 18) und nehmen an, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. In der Mitte zwischen der Vorhersage von Millionen Toten durch ein Virus auf der einen Seite und außer Kontrolle geratener Politiker und Medien oder eines riesigen Fehlalarms auf der anderen Seite. Vielleicht sind Sie auch einfach nur verwirrt über das alles oder können es nicht mehr hören. In diesen Fällen bietet sich die Formel des Naturrechts an, wie sie Hans-Peter Reinhardt erklärt 19):

Das Naturrecht hilft uns die richtigen Entscheidungen im Leben zu treffen, das ist genial.

Die erste Frage, die wir uns stellen sollten bei allem was wir tun, im Naturrecht, ist: Mache ich diese Aktion aus Liebe, oder aus Angst? […]

Die zweite Stufe, ist die, [die] zur Handlung führt im Kopf, nämlich: Mache ich das aus Wissen, oder - sie nennen es Ignoranz, beim Naturrecht. Das heißt: Habe ich mich erkundigt? Habe ich hinterfragt? Handle ich aus Wissen, oder nur weil es mir irgendjemand sagt?

Die dritte Stufe, das ist hochspannend, ist nämlich die, was für ein Bauchgefühl erzeugt es im Menschen selbst? Erzeugt es ein Gefühl von Souveränität, oder von Verwirrung?

Alleine die drei Stufen reichen schon aus, um alle Fragen zu beantworten, die wichtig für uns sind:

  • Liebe / Angst
  • Wissen / Ignoranz
  • Souveränität / Verwirrung

Interview mit Naturheilpraktiker Hans Peter Reinhardt. Video auf kenfm.de. An Position 1 Stunde 1 Minute 28 Sekunden.

Doch auch wenn man damit zu einer Antwort - egal welcher - für sich selbst kommt, stellt sich immer noch die Frage »Was ist hier passiert?« Das habe ich mich immer wieder gefragt in diesem Jahr. Vielleicht muss man sich den Ausgangszustand genauer vor Augen führen, der in unserer Gesellschaft geherrscht hat, bevor dieses Coronajahr begann. Der Psychiater und Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz hat schon vor ein paar Jahren aus seiner psychologischen Sicht auf den Punkt gebracht, wie es in unserer Gesellschaft aussieht 20):

[02:25, Dr. Teischel]:

Wie alle versuchen zu funktionieren, darunter leiden, dass sie Rollen spielen müssen, aber überhaupt nicht mehr reflektiert wird, woher diese ganzen Rollen kommen, die Normen, denen sie zu folgen versuchen und worunter sie leiden. […]

[Dr. Maaz]:

Ich habe ja dafür den - denke ich wunderbaren - Begriff der Normopathie gefunden. Also ein Begriff, der etwas versucht deutlich zu machen, das etwas was normal aussieht, weil sehr viele Menschen in einer ähnlichen Weise denken oder handeln, denken, »was die meisten machen kann ja nicht falsch sein« und damit wird das Pathologische, die Fehlentwicklung, wird nicht mehr erkannt. Und das trifft aus meiner Sicht eben vor allem für unsere gegenwärtige narzisstische Gesellschaft zu, über die ich mich gerne mit dir unterhalten würde.

[Dr. Teischel]:

Genau und eben auch für die Polarisierungen, die heute immer mehr zu beobachten sind. Das zeigt eigentlich gerade auch, dass die Menschen nicht aufgrund ihrer eigenen Identität und Person sprechen, sondern sich eben beziehen auf Ideologien, auf Lehren, bin ich Links, bin ich Rechts, »zu wem gehöre ich«, und diese Blöcke stehen sich gegenüber. Das polarisiert sich gerade immer mehr. Und das ist glaube ich auch ein Zeichen für das, was in der Gesellschaft nicht stimmt. Das wir nicht mehr miteinander reden, sondern über die andere Gruppe jeweils, und sozusagen Sündenböcke und Ausgrenzung brauchen, um eigene Stabilität zu gewinnen.

[18:48, Dr. Maaz]:

Du hast das Problem der Projektion, […] oder der Sündenbockjagd nochmal gebracht. Ich glaube das ist ganz wichtig, dass wir verstehen und verständlich machen können, dass immer die seelischen Inhalte, die ein Mensch bei sich nicht wahrhaben will und nicht akzeptieren kann, die er aber hat, all das, was in seiner Erziehung, „du darfst nicht faul sein“; „du darfst nicht feige sein“; „du darfst nicht lügen“; „du […] musst politisch korrekt dich verhalten“; „darfst nicht geil sein“; „nicht frech werden“ usw., dass das aber alles menschliche Eigenschaften sind, die immer da sind, ja, natürlich, ein zivilisierter Mensch muss lernen damit umzugehen, was er praktisch leben kann oder nicht, aber er darf auf keinen Fall denken, das sei er alles nicht, er sei nur ein guter, ein braver, ein anständiger Mensch, das sind wir nämlich alle nicht, aber je mehr wir das von uns denken oder zu denken verpflichtet sind, desto mehr sind wir in Gefahr, das bei anderen zu denunzieren und zu verfolgen, das ist der klassische Sündenbock. Und im Moment scheint es mir so zu sein, dass wir gerade mit den sogenannten Populisten neue Opfer finden, denen wir vorwerfen, dass sie etwas kritisieren oder ansprechen, was wir nicht wahrhaben wollen. Das dieses System in einer Krise ist, die wir verstehen sollten.

[Dr. Teischel]:

Genau. Dass es eine Krise auch des Kapitalismus ist und der Leistungsgesellschaft und das wird aber abgewehrt und wie aber auch sonst alle Gefühle von Ohnmacht und Schwäche und Schmerz abgewehrt werden. Das hat der Arno Grün so unglaublich treffend immer wieder analysiert. Dass eigentlich die ganzen Kriege, der Terror, daher kommen, dass wir Schwäche nicht aushalten können und die im Anderen bekämpfen. Gerade auf die Schwachen losgehen auf Kranke, Kinder, Alte, Frauen usw. […] Aber eben wenn das System Halt gibt oder die jeweilige Ideologie dann ist ja das schon der Anfang der Entfremdung und das gebe ich aber nicht wieder auf so leicht, weil von dem nähre ich mich ja. Und da bekämpfe ich lieber alles andere. Und jede echte Menschlichkeit, die wird erstrecht bekämpft.

Hans-Joachim Maaz im Gespräch mit Dr. Otto Teischel.

Stark verkürzt würde ich sagen, wir hatten es einfach schon zuvor mit einer im Kern kranken Gesellschaft zu tun. Und diese Vorerkrankung war nun möglicherweise die Angriffsfläche für eine psychische Überreizung, für eine Art allergische Überreaktion in der Gesellschaft. Ein Phänomen in einer Intensität und einem Ausmaß, wie wir es als Menschheit vielleicht zuvor noch nie erlebt haben. Eine Regierung die Panik zum Prinzip erklärt und ein Medienapparat der diese Panik erzeugt 5) können vielleicht an irgendeinem Punkt selbst nicht mehr unterscheiden zwischen der Wirklichkeit und der Panik, die das System selbst erzeugt hat. In Mekka kennt man sich schon länger mit dem Phänomen einer Massenpanik aus 21), auch im Westen musste man schon öfter mit den Folgen davon kämpfen 22). Doch was, wenn dieser Zustand über ein Jahr lang andauert und über eine Art medialer Massenvernichtungswaffen über Bildschirme angefeuert wird?

Woher kommt die Idee, die Menschen mit Panik zu zu konfrontieren? Es liegt wohl der Gedanke zugrunde, dass man damit die „ansonsten dummen und uneinsichtigen“ Menschen gefügig macht. Doch zur „Vernunft“ bringt man sie damit nicht. Denn Angst und Panik sind sehr körperliche Reaktionen beim Menschen, die eigentlich nur für eine kurze und klar abgegrenzte Situation ausgelegt sind. Für den Tiger im Dschungel. Kampf oder Flucht. Dabei geht es um eine Entscheidung von Sekundenbruchteilen, die über Leben oder Tod entscheidet. Da bleibt keine Zeit für eine wissenschaftliche Studie. Langfristig bedeuten Angst und Panik daher, dass die Menschen zwar größtenteils gefügig sind, jedoch fortgesetzt nicht besonnen und folgerichtig handeln, außerdem auf die Dauer krank werden. Bestimmt ein jeder, der in diesem Coronajahr mit offenen Augen im Alltag unterwegs war, konnte das erkennen, vielleicht auch an sich selbst. Kann das zielführend sein, wenn man vorgeblich das eigene Volk vor einer grassierenden Krankheit schützen will?

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dt/corona_kommentar2.txt · Zuletzt geändert: 12.03.2021 08:24 von Matthias Gerstner