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Ein Jahr Leben mit "Corona". Ein Kommentar.

Teil 3

Ein prägendes Element für mich in dieser Gesundheitskrise unserer Gesellschaft ist das wissenschaftlich-technische. Es herrscht eine unglaubliche Technikgläubigkeit. Ich halte es nicht für einen Zufall, dass gerade ein Virus zum größten Feind der Menschheit geworden ist. Etwas, das aus der Natur kommt - unkontrollierbar - wendet sich gegen uns. Praktisch alle Gefahren, die ich eingangs aufgelistet habe, haben jedoch menschengemachte Ursachen. Hier scheint mit zweierlei Maß gemessen zu werden. Die menschengemachten Verheerungen glauben wir unter Kontrolle zu haben, wir üben sie ja schließlich selbst aus. Ist es der „menschliche Fortschritt“, der zu Leid und Tod führt, so scheint es nur der unvermeidliche Kollateralschaden auf dem Weg zur endgültigen Glückseligkeit. Nur noch ein paar tolle wissenschaftliche Fortschritte und der Welthunger, die Umweltzerstörung und alle Krankheiten sind besiegt, alle leben in Saus und Braus und auch Kriege gibt es dann nicht mehr, dann, wenn endlich alle überversorgt sind. Doch bei dieser Überversorgung geht es immer nur um die stoffliche Versorgung: ein großes Auto, ein großes Haus, ein großer Fernseher, viel Essen, viele Reisen. Die Versorgung mit geistiger Gesundheit, Identität, Charakter, Sinnhaftigkeit etc. liegt meiner Empfindung nach in unserer Welt stärker Brach als in einem primitiven selbstorganisierten Fischerdorf vor 3.000 Jahren.

Dass als Ansatzpunkt zur Lösung der „Krise“ ausgerechnet das Ausmerzen des sozialen Miteinanders ausgemacht wurde, spricht für sich. Die menschliche Natur wird völlig verkannt und es gibt auch keinerlei Vertrauen auf die Funktionsweise des eigenen Körpers in der öffentlichen Diskussion. Es besteht ein Missverhältnis zwischen unserem blinden Vertrauen in unsere Maschinen, Technik und Wissenschaft auf der einen und unserem Misstrauen in unsere eigene Biologie auf der anderen Seite. Dies führt dazu, dass viele Menschen nach meiner Wahrnehmung den eigenen Körper nun als eine Art unkontrollierbaren Bioreaktor betrachten, dem nicht zu trauen ist, der in künstliche Verpackungen gesteckt werden muss, und die voneinander getrennt werden müssen, damit wir uns nicht unwissentlich gegenseitig schaden.

Haben Sie von der Politik in diesem Coronajahr einmal davon gehört, dass Sie Ihr Immunsystem auf Vordermann bringen sollten? Glauben Sie der fortgesetzte Aufenthalt zu Hause mit keinem oder sehr wenig Kontakten zu Mitmenschen tut Ihren Abwehrkräften gut? Die Aussagen von Professor Schubert bringen hier mein eigenes Empfinden ganz gut zum Ausdruck. Auch über die Qualität der verlebten Zeit wird nicht gesprochen. Im Zeitalter des neuen „Supergrundrechts Überleben“ scheint es egal zu sein, wie man überlebt. Dass seit Jahrzehnten vielerorts in unserem Land in Pflegeeinrichtungen (»Pflegefabriken«) nur noch vegetiert wird, spielt keine Rolle. Würden Sie als alter Mensch noch ein Jahr länger „sicher vor Corona“ leben wollen in einer Art Strafvollzug?

Überhaupt offenbarte sich in dieser Zeit, dass in unserer Gesellschaft das Thema Tod tüchtig verdrängt wird. Es braucht einen gewissen fruchtbaren Boden im Geiste der Menschen, damit man ihnen mit dem Thema »Tod« so viel Angst machen kann. Wer die eigene Vergänglichkeit akzeptiert hat und einsieht, dass es einmal zu einem unkontrollierbaren Zeitpunkt mit einem zu Ende geht, der lässt sich nicht so leicht Angst mit einem „tödlichen Virus“ einjagen, über dessen Tödlichkeit es sich zumal trefflich streiten lässt. In unserer Gesellschaft wird der Tod zwar mannigfaltig etwa im Fernsehen und am Computer und auch in Nachrichten dargestellt und erlebt. Aber er scheint doch immer etwas Fremdes zu sein, das nur Andere betrifft. Auf sich selbst scheinen das die wenigsten Menschen zu beziehen. Im Sinne der technisch-wissenschaftlichen Fortschrittsgesellschaft mögen viele Menschen denken, dass ja doch immer wieder eine rettende Pille, eine rettende Maschine daherkommt, die einen noch einmal dem Tod von der Schippe springen lässt. Wirklich sterben? Muss man das heutzutage noch?

Nicht nur die menschliche Natur wird hier verkannt. Ich glaube es gibt in unserer Gesellschaft ein grundlegendes Missverständis über die Funktionsweise der Natur, welches sich nicht nur im Umgang mit dieser Pandemie widerspiegelt. Die Natur verläuft in Zyklen und in großer Vielfalt und Komplexität. Beobachten Sie einmal die Veränderungen in der Natur in jedem Jahr, besonders, wenn Sie vielleicht einen kleinen Gemüsegarten betreuen. Aber auch ein Blick auf die nächste Wiese genügt, auf die Insekten und Pflanzen. Jedes Jahr ist es etwas anders. Mal ist diese Pflanzenart besonders viel vertreten und jenes Insekt im Übermaß, und mal ist es völlig anders. Genauso verhält es sich letztlich auch mit Krankheitserregern. Wenn eine Heuschreckenplage losbricht kann man sich noch so sehr wehren, es führt kaum etwas zur Lösung des Problems, außer der Zeit. Der Hochmut des Menschen ist aber so groß, dass er lieber völlig sinnlose oder gar schädliche Aktivitäten entfaltet, nur um sich selbst vorzuspiegeln, er sei in einer Machtposition und habe alles unter Kontrolle. Dabei haben unsere Gesellschaften offensichtlich nicht einmal ihr gemeinschaftliches Empfinden und Denken im Griff.

Wir verstehen uns als eine wissenschaftlich orientierte Gesellschaft, die besonnen und auf Wissensbasis vorgeht. Doch Wissenschaft lebt nur von der Beobachtung, dem Vergleich und der Diskussion und zwar in genau dieser Reihenfolge. Wir beobachten seit einem Jahr Dinge in unseren Gesellschaften, die wir noch nie zuvor in diesem Detailgrad beobachtet haben. Daher ist es bei vielen dieser Dinge auch nicht möglich, einen Vergleich zur Vergangenheit zu ziehen. Dafür vergleichen wir nun in der Gegenwart Dinge miteinander, die sich oftmals wie Äpfel und Birnen einfach nicht miteinander vergleichen lassen. Die Ausgangslagen in unterschiedlichen Ländern sind so komplex unterschiedlich, dass sich viele pauschale Vergleiche eigentlich verbieten. Als unbestechlich daherkommende Statistiken aus unterschiedlichen Ländern kann man daher eben nicht ohne weiteres zueinander in Bezug setzen. Die Diskussion scheint mir auch nicht wirklich gewünscht. Jedes Land scheint seinen Star-Virologen 1) zu besitzen, der die jeweilige Regierung „berät“. Und die Medien richten sich alle brav danach beim gemeinsamen „Rettungsunterfangen“. Fragen scheinen vielmehr gefürchtet zu sein, wie oben schon angesprochen wurde.

Wenn Virologen zu Staatsmännern werden, sind wir am Ende.

Professor Christian Schubert - Aussage im Corona-Ausschuss Sitzung 6 zur Lage der Kinder an Position 1 Stunde 42 Minuten

Besonders erschwerend kommt hinzu, dass Menschen in einer Welt, die über ein Jahr hinweg praktisch nur noch von einem Thema beherrscht wird, naturgemäß nicht mehr unvoreingenommen handeln. Es wird unter dem Eindruck einer Pandemie gehandelt. Das macht Vergleiche zu früheren Zeiten noch fragwürdiger als ohnehin schon. Behördliche Statistiken können unter diesen Bedingungen zum Beispiel unter ganz anderen Gesichtspunkten entstehen. Unter welchem Druck wird etwa ein Statistikamt stehen, welches nicht die dramatischen Zahlen zu den politisch-gesellschaftlichen Vorgängen liefern kann? Würden in einem solchen Fall eher die Politik und die Berichterstattung angepasst, oder die Statistik bzw. deren Darstellung und Einordnung? Nehmen wir die Nachricht, dass die klassische vom Influenzavirus ausgelöste Grippe in diesem Winter nahezu verschwunden ist 2). Ist das nun die Realität, dass innerhalb eines Jahres eine Krankheit, die unsere Krankenhäuser über Jahrzehnte jeden Winter beschäftigt hat, keine Rolle mehr spielt? Oder wird die Welt einfach nur kollektiv anders wahrgenommen? Egal welche Variante zutreffen mag, ich halte beide für bemerkenswert.

Aus diesem Grund und aufgrund des ungeeigneten Messwerkzeugs, welches der berühmt-berüchtigte PCR-Test darstellt, sind meiner Meinung nach die einzige verbleibende halbwegs verlässliche Datengrundlage die absoluten Todeszahlen in den einzelnen Ländern. Genau dies will aber die Politik in Deutschland nicht, weil sie nicht dramatisch genug sind. Massenhaft umbringen werden sich die Leute wegen COVID-19 und seiner Umstände nicht so schnell, auch wenn es durchaus erhöhte Fälle in dieser Richtung geben soll. Allerdings können die „Maßnahmen“, die dazu geführt haben, dass unsere Gesellschaft auf eine völlig andere Art als in den Vorjahren lebt, dazu führen, dass wir aus den unterschiedlichsten Gründen in einem Bereich mehr oder wenige Tote als sonst haben. Die tatsächlichen Wirkungszusammenhänge wird man wohl niemals je herausrechnen können.

Wir könnten nun dennoch ab sofort gewissenhaft überprüfen, womit wir es zu tun haben. Insbesondere die machthabenden Politiker und machtausübenden Behörden und Organisationen wären zu allererst verpflichtet gewesen und sind es immer noch, die Auswirkungen und Notwendigkeit ihrer Maßnahmen auf das genaueste zu kontrollieren. Es fand im Vorfeld der Maßnahmen keine Abwägung über Nutzen und Schaden der Maßnahmen statt 3), 4) und es findet nach nun seit einem Jahr andauernden Maßnahmen keine konsequente Untersuchung der Auswirkungen statt. Außer, dass man sich hin und wieder wundert, dass die Maßnahmen nicht wirken 5), 6). Grundrechtseinschränkungen müssen von der Politik stetig und für den Bürger einfach nachvollziehbar auf den Prüfstand gestellt werden. Sehen Sie diesen Vorgang irgendwo? Wo fand in diesem Coronajahr die gesellschaftlich-demokratische Diskussion über Für und Wider der Vorgänge statt? Gibt es einen nach allen Richtungen offenen Dialog ohne eine Vorbewertung? Schon das Wort „Maßnahme“ spricht ja eigentlich für sich, man nimmt Maß, doch welcher Schneider ist denn hier am Werk? Der Anzug ist um Dimensionen zu groß für „Corona“, doch die Betreiber dieser Politik und der dazugehörigen Nachrichten sprechen meistens nur davon, dass er immer noch nicht groß genug sei. Währenddessen tobt das Virus, oder sollte man besser sagen, toben die Viren und sonstigen Erreger in diesem schlecht bemessenen Anzug fröhlich weiter und beenden das Leben von Alten und Schwachen 7). In Politik und Medien findet ein Spiegelfechten statt gegen aussagelose Zahlen, so wie Don Quijote, der »Ritter von der traurigen Gestalt« gegen die Windmühlen kämpfte. So wie er in einem Bartbecken den goldenen Helm des Mambrin zu erkennen glaubte und sich gegen den Rat Sancho Pansas in die Nesseln setzte. Wenn ein Mann so handelt kann man es noch lustig finden. Wenn eine ganze Gesellschaft so handelt, fühle ich mich eher an die Bedrückung von Kafkas Erzählungen erinnert.

Vor einigen Jahren haben wir in unserem Land eine Diskussion über »Eliten« geführt 8). Diese Eliten hätten wir zum einen notwendig, um mit anderen Ländern wirtschaftlich mitzuhalten, hieß es. Zum anderen seien deren hohe Stellung und teilweise vielfach höheres Einkommen im Vergleich zu „gewöhnlichen“ Mitgliedern der Gesellschaft wohlverdient, weil sie so viel mehr leisteten als andere Menschen in unserer Gesellschaft. Angesichts des Angstjahres und dessen, dass offenbar keinerlei Risikoabschätzung zu den Folgen staatlicher „Maßnahmen“ vorgenommen wurde, aber auch niemand von hoher Stellung den Vorgängen widerspricht, ist nun meiner Meinung nach ein weiterer schreiender praktischer Beweis dafür erbracht, dass unsere Eliten ihre Sonderstellung nicht verdienen. Hier handelt es sich nicht um weise Frauen und Männer, die besonnen handeln, während das Volk wie wilde Hühner herumspringt und sich nicht mehr zu helfen weiß. Nein, die Eliten springen auch wie wilde Hühner unkontrolliert herum, sie tun dies nur mit ausgewählterer Sprache und vor Kameras. Warum sie das tun, ob wissentlich und aus Berechnung, oder, weil Sie auch einer Angst und Panik unterliegen, spielt für die Bewertung ihres Nutzens schon gar keine Rolle mehr.

Es scheint tatsächlich so, dass diese Menschen, die die Spitzenpositionen in unserer Politik innehaben, größtenteils nicht die geringste Idee haben, was das bewegen der großen strategischen Hebel in ihrem Land für die Bevölkerung bedeutet 9). Mao Tse Tung, der Begründer des chinesischen Kommunismus, hatte Millionen Chinesen auf dem Gewissen, weil er die Industrialisierung in seinem Land beschleunigen wollte, indem er die bäuerlich geprägte Wirtschaftsstruktur mit Gewalt umstülpte. Ganz ähnliches erleben wir hier seit einem Jahr, auch wenn - glücklicherweise - das Ausmaß der Fehlgriffe noch nicht so viele MenschENleben gekostet hat. In einem Land wie Indien mag es jedoch schon in diese Richtung gehen 10). Diese Vorgänge haben sich dennoch in jeden von uns eingeprägt und wir werden das für immer in uns mit herumtragen, das gesellschaftliche Kulturgedächtnis wird das behalten, wenn auch wahrscheinlich bei den meisten so falsch und verzerrt, wie es jetzt in den Medien und von der Politik dargestellt wird.

Angeblich hat das Volk keinen Begriff von der Gefährlichkeit und Größenordnung dieser Pandemie, weshalb so viel Zwang angewendet wird. Offenbar haben auch federführende Politiker in Deutschland immer noch nicht verstanden, dass Sie Entscheidungen für 82 Millionen Menschen in diesem Land treffen und mit welchen Größenordnungen sie es dabei zu tun haben. Wenn behauptet wird, es würden so viele Leute sterben, als ob jeden Tag ein Flugzeug abstürze 11), so weiß man offenbar nicht, oder will nicht wissen, dass all die Jahre jeden Tag rund 900 Menschen in Deutschland in Pflegeheimen sterben 12). Man könnte auch betrachten, dass überhaupt jeden Tag in Deutschland über 2.000 Menschen sterben und über 2.000 Menschen neu geboren werden 13). Dies eröffnet den Blick auf den Kreislauf des Lebens, ein ständiges vergehen und neu entstehen. Aber dieser Hauch Spiritualität scheint in unserer öffentlichen Wahrnehmung keinen Platz zu haben.

Unsere Bürokratien, unsere Machtzentren sind wie Bürokratien aus der Feudalzeit aufgebaut. Nach dem Postkutschenmuster. Wir haben immer eine Verwaltung, die preußisch denkt und handelt aber nicht mehr im positiven Sinne, sondern nur noch im negativen Sinne. Diese Verwaltung, also die politische Administration, ist strukturell überfordert. Es gibt mehr Möglichkeiten zur Auswahl als Politik verarbeiten kann. Dabei ist es völlig natürlich, dass man sich abschottet und nur Vertrauten glaubt. Man macht eigentlich genau das Falsche. Man öffnet sich nicht […], sondern schottet sich ab und setzt […] im Grunde genommen fehlerhaftes Handeln verstärkt fort. Man blendet die Wirklichkeit aus und lässt sich ethisch gesehen, politisch-medial, potemkinsche Dörfer errichten, an die man dann auch glaubt fatalerweise. Das ist ein Erklärungsversuch.

Heinz Kruse - ehemaliger Wirtschaftsdezernent - Aussage im Corona-Ausschuss Sitzung 5 zur Lage der Wirtschaft an Position 3h 57m

Warum handeln fast alle Führungspersonen gleich? Ist das nur mit Panik zu erklären? Ich fühle mich an meine eigenen Erfahrungen mit Vorgesetzten im Arbeitsleben erinnert. Eine sichere Variante für eine Führungskraft ist es da immer, einfach das zu tun, was „alle“ in der Industrie auch machen. Insofern ist diese Politik vielleicht auch ein Ergebnis der Bemühungen der vergangenen Jahrzehnte, die Politik und den Staat immer mehr wie ein Unternehmen zu betreiben. Und ein Unternehmen ist, wie die meisten abhängig Beschäftigten sicher bestätigen können, nun einmal keine Demokratie.

Und was ist mit den etablierten Intellektuellen, die ja auch auf ihre Weise zu den Eliten gehören? Auch hier ist wenig öffentlich zu hören. Außer vielleicht eine Aufforderung zum Gehorsam:

„Wir dürfen über Corona denken, was wir wollen, aber als Staatsbürger haben wir zu funktionieren“

Richard David Precht - Philosoph und Publizist

Nach Professor Mausfeld stand der Großteil der Gruppe der Intellektuellen in der Geschichte schon immer bereit, um der herrschenden Macht die nötige Unterfütterung zu geben 14):

Methoden und Funktionsweisen eines Dissensmanagements können wir besser verstehen, wenn wir statt auf Personen auf seine strukturellen Eigenschaften fokussieren. Zu diesen gut untersuchten und seit langem bekannten strukturellen Eigenschaften gehört es, dass in allen Machtstrukturen besonders Journalisten, Intellektuelle und Wissenschaftler, die in gesellschaftsrelevanten Bereichen arbeiten, eine Tendenz aufweisen, sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht auszurichten.

Prof. Rainer Mausfeld

Es gab in der Geschichte immer wieder solche Gelegenheiten, dass es sich besonders gelohnt hat, sein Fähnchen in den Wind zu hängen. Plötzlich tun die Menschen Dinge für den Ruhm des Kaisers und einen Platz an der Sonne für das Deutsche Reich, für Volk und Führer, für den Aufbau des Sozialismus und den Schutz der Arbeiterklasse, zur Errettung vor der „roten Gefahr“ 15) oder im aktuellen Fall zum bedingungslosen Schutz vor einem Virus, welches alle anderen Sorgen unseres Lebens scheinbar in den Schatten stellt. Beruft man sich darauf, so hat man einen bequemen Allgemeinplatz besetzt, der nicht mehr groß hinterfragt wird. Man gehört zur wahrgenommenen Mehrheit und Freund und Feind sind klar aufgeteilt. Was und wie viel Zeit hat es nach 1933 in Deutschland gebraucht, bis es „normal“ war, dass man von Judenvernichtung, Endsieg und Wunderwaffen sprach und Arierausweis und Judenstern für alltäglich hielt? Was und wie viel Zeit hat es gebraucht, bis es „normal“ war, dass man sich nur noch mit fragwürdigen Gesichtsbedeckungen im öffentlichen Leben begegnet, sich mit Einweghandschuhen eindeckt, seine Haut mit Desinfektionsmittel behandelt (um einer Tröpfcheninfektion zu entgehen), sich eine Impfung zu wünschen, die nur die wenigsten wirklich brauchen, und deren Sicherheit und Wirksamkeit mit großen Fragezeichen versehen ist?

Der Panik und der Informationszersplitterung in den Medien gemäß scheinen unsere Eliten und Intellektuellen auch nur noch einzelne Informationsbruchstücke verarbeiten zu können. Anstatt in Zusammenhängen und verschiedenen Richtungen zu denken, werden diese Informationsbruchstücke eindimensional in immer extremere, zu maximierende Handlungen übersetzt. Kontakt ist gefährlich also soll jeder immer zu Hause bleiben. Menschen sterben an Atemwegserkrankungen, deshalb sind jetzt alle, überall und jederzeit gefährdet. Dabei kann man dann schon einmal übersehen, dass man es mit einer saisonalen Erkrankung zu tun hat und nicht überall auf der Welt dieselbe Jahreszeit herrscht 16). Man hat einen Test, der einen Menschen scheinbar in „gut“ oder „schlecht“ einordnen kann, deshalb müssen alle und so viel wie möglich getestet werden. Das geht so weit, dass man gar die Definition von „krank“ ändert: Man ist nicht mehr krank, wenn man sich so fühlt, oder sichtbare Anzeichen hat, sondern man ist krank, wenn der PCR-Test es einem sagt 17). Man kann gegen Krankheiten Impfungen entwickeln und damit Menschen schützen. Deswegen sind nun alle Impfungen für alle gut, wenn nicht gar verpflichtend, auch für Schwangere, selbst wenn das gar nicht geprüft wurde 18). Plötzlich gibt es nur noch eine Krankheit, alle anderen scheinen bedeutungslos.

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dt/corona_kommentar3.txt · Zuletzt geändert: 12.03.2021 08:47 von Matthias Gerstner