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dt:giralgeld

Die Schöpfung von Geld durch Geschäftsbanken

Einleitung

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie sogenanntes Giralgeld durch Geschäftsbanken geschöpft wird. Weiterhin werden relevante Folgen behandelt, die sich daraus ergeben.

Arten der Zahlungsmittel

Für den Alltag der meisten Menschen spielen heute vor allem zwei Arten von Zahlungsmitteln eine Rolle: Das Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel und sogenanntes Giralgeld, welches sich auf Bankkonten befindet.

Das Bargeld ist das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in Deutschland. Nur dieses wird direkt von der europäischen Zentralbank und damit mittelbar über den Staat ausgegeben. Nur für Bargeld besteht eine Annahmepflicht im täglichen Geschäftsleben. 1) Das heißt es darf niemand ablehnen, dass eine Leistung mit Bargeld bezahlt wird.

Das Giralgeld (von italienisch giro für Umlauf, Umdrehung) wird hingegen zunächst einmal von den Banken zur Verfügung gestellt und in Umlauf gebracht. Da dieses Geld keine Entsprechung als Bargeld hat und nur in den (heute digitalen) Büchern der Banken geführt wird nennt man es auch Buchgeld. Es besteht formal gesehen kein Anspruch darauf, dass jemand eine Zahlung in Form von Giralgeld annehmen muss. Auch wenn dies in der täglichen Praxis heute in der Regel kein Problem darstellt.2) Das Giralgeld auf dem Bankkonto stellt lediglich ein Versprechen der Bank dar, dass man diese Summe in Bargeld (also dem einzigen gesetzlichen Zahlungsmittel) ausgezahlt bekommen kann. Es ist damit nur eine Geldforderung und kein echtes Geld. 3)

Die Menge des Euro-Bargelds in Form von Geldscheinen und Münzen liegt laut Europäischer Zentralbank (EZB) im Dezember 2017 bei ca. 1,2 Billionen Euro. 4) Die Menge des Giralgelds lässt sich nicht so genau feststellen. Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass ca. 90 % der Zahlungsmittel aus Giralgeld bestehen und nur 10 % aus Bargeld. 5)

Wie entsteht Giralgeld?

Unter Fachleuten war die Rolle der Banken bei der Entstehung von Giralgeld lange umstritten. Vom 20. Jahrhundert bis heute gibt es drei wesentliche sich unterscheidende Auffassungen, wie Giralgeld geschöpft wird:

  • Eine Auffassung ist, die Banken seien nur reine Finanzvermittler (Finanzintermediär-Theorie). Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Banken keinerlei besondere Rolle im Finanzsystem haben und lediglich Geld weitergeben. Dies würde also bedeuten, dass ein von einer Bank ausgegebener Kredit aus den Sparguthaben anderer Bankkunden besteht.
  • Eine andere Auffassung ist, dass die Banken eine Mindestreserve vorhalten müssen (Teilreserve-Theorie, Multiplikator-Modell). Hierbei sollen die Banken einen gewissen Anteil ihrer Einlagen bei der Zentralbank vorhalten müssen (zum Beispiel zehn Prozent), während sie den Rest als Kredite weitergeben können. Die Geldschöpfung würde hierbei nur im Zusammenspiel mehrerer Banken vor sich gehen (daher der Begriff Multiplikator). Die Zentralbank deckelt in diesem Modell die Menge des Giralgeldes. Dieses zum einen durch die anfänglich durch die Zentralbank in Umlauf gebrachte Geldmenge. Zum anderen durch die Mindestreservevorgaben.
  • Schließlich gibt es die Vorstellung, dass die Banken das Giralgeld vollständig selbst schöpfen (Kreditschöpfungstheorie). Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Banken bei der Kreditvergabe im Rahmen der Buchführung Giralgeld neu entstehen lassen, welches vorher nicht existierte. Vor diesem Hintergrund nennt man diesen Vorgang auch Bilanzverlängerung, da die Höhe der Bilanz der Bank insgesamt größer wird. Auf der Seite der Bank entsteht eine Forderung gegenüber dem Kreditnehmer und auf der Seite des Kunden entsteht eine Verbindlichkeit gegenüber der Bank.

Mittlerweile wurde durch ein praktisches Experiment dargelegt, dass das Giralgeld tatsächlich im Rahmen der Kreditschöpfung vollständig durch die Geschäftsbanken neu erzeugt wird. Dabei gibt es zunächst keine begrenzenden Elemente und keine Überprüfungen durch die Zentralbank oder andere äußere Organisationen.6)

Diese Grundlage der Giralgeldschöpfung wird auch heute immer wieder falsch dargestellt, ist Gegenstand heftiger Diskussionen oder wird selbst im Lehrbüchern falsch dargestellt.7) Mittlerweile gibt es jedoch auch von wichtigen Zentralbanken die eindeutige Unterstützung dieser Darstellung.

So stellt die Deutsche Bundesbank in herausgegebenem Lehrmaterial fest:8)

Wird einem Kunden ein Kredit über 1.000 Euro gewährt (z. B. Laufzeit 5 Jahre, 5 % p.a.), erhöht sich die Sichteinlage des Kunden auf seinem Girokonto um 1.000 Euro. Es ist Buchgeld entstanden oder es wurden 1.000 Euro Buchgeld geschaffen.

Die Bank Of England thematisierte die Giralgeldschöpfung in einem Mitteilungsblatt:9)

Whenever a bank makes a loan, it simultaneously creates a matching deposit in the borrower’s bank account, thereby creating new money.

Deutsche Übersetzung (des Autors): Immer wenn eine Bank einen Kredit ausgibt erzeugt sie gleichzeitig einen entsprechenden Betrag auf dem Konto des Kreditnehmers und erschafft dadurch neues Geld.

Bestrebungen das Bargeld einzuschränken

In den letzten Jahren entstand eine eigenartige Diskussion in den Massenmedien, die sich um die Einschränkung oder gar Abschaffung des Bargelds in Deutschland bzw. im Euroraum drehte. Als Begründung dafür wurden zum Beispiel folgende Punkte angeführt:

  • Die Hygiene sei bei Verwendung von Bargeld schlecht.
  • Die Kriminalität könnte besser bekämpft werden wenn das Bargeld entfallen würde.10)
  • Andere Länder hätten bereits eine Obergrenze für die Bezahlung mit Bargeld.11)

Tatsächlich hat die EZB bereits die Ausgabe der 500-Euro-Scheine eingestellt. 12) Weiterhin wurde in Deutschland für Bargeldzahlungen über 10.000 Euro eine Ausweispflicht eingeführt. 13) Manche befürchten hier eine schleichende Einschränkung oder vollständige Abschaffung des Bargelds. Einige Beobachter vermuten, dass damit die Einführung sogenannter Negativzinsen leichter möglich werden soll.14) Bei Negativzinsen zieht die Bank im Verlauf der Zeit einen gewissen Anteil des Guthabens an Giralgeld ein. Viele Menschen würden in dieser Situation auf Bargeld ausweichen, da dieses von so einer Maßnahme nicht betroffen wäre.

Im Lichte der Funktionsweise der Giralgeldschöpfung kann man aber noch weitere Vorteile für die Banken sehen, die sich durch eine Bargeldschaffung ergeben würden. Das Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel, welches ausschließlich über die EZB in Umlauf gebracht werden kann ist ein unmittelbarer Bremsmechanismus für den Umfang der Bankaktivitäten. Die Geschäftsbanken müssen immer hinreichend Bargeld zur Verfügung haben, um der Nachfrage ihrer Kunden nachzukommen, die ihre Forderung einlösen wollen, welche das Giralgeld darstellt. Hier besteht auch immer die Gefahr eines Ansturms auf die Banken wenn das Vertrauen in die Sicherheit der Giralgeldguthaben in der Bevölkerung sinkt.

Tatsächlich sind die Banken ja auch nicht in der Lage alle Giralgeldguthaben in Bargeld auszuzahlen. Dies ergibt sich alleine schon aus der Tatsache, dass sich weit weniger Bargeld als Giralgeld im Umlauf befindet (siehe oben). Durch Abschaffung oder wenigstens deutliche Einschränkung der Nutzbarkeit von Bargeld könnten die Geschäftsbanken noch freizügiger ihren Geschäften mit dem Giralgeld nachgehen und wären weniger abhängig von den Mechanismen der Zentralbank. Giralgeld können die Banken selbst schöpfen. Zentralbankgeld ist aufgrund der seit vielen Jahren verfolgten Nullzinspolitik der EZB für sehr geringe Kosten verfügbar. Den Faktor Bargeld könnte man also heute tatsächlich als eine der größten Einschränkungen für die Ausweitung der Bankgeschäfte betrachten.

So wird in einem Artikel des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd) festgestellt: 15)

Horten von Bargeld erschwert der EZB die Arbeit

Allein: Die Preise zeigten sich weiterhin gänzlich unbeeindruckt von dem aus Frankfurt sprudelnden Geld. Und das hängt auch damit zusammen, dass die Bürger und Unternehmen der Euroländer immer mehr Bargeld horten – und dadurch prinzipiell die Kreditvergabe der Geschäftsbanken sowie die daraus resultierende Geldschöpfung limitieren

Verhältnis zwischen Schulden und Guthaben

Staatsschulden und Politik der Sparsamkeit

In den vergangenen Jahren wird in Medien und Politik viel über die schlechte Auswirkung von Staatsschulden gesprochen. Dies vor allem im Zusammenhang mit der von der deutschen Politik umgesetzten sogenannten Austeritätspolitik (sinngemäß: Politik der Sparsamkeit). Politiker wie der ehemalige deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble haben hierbei das Bild der schwäbischen Hausfrau geprägt.16) Die Volkswirtschaft aus Sicht der Staates wird hierbei der persönlichen Sicht des Einzelnen gleichgesetzt. So wie sich ein Privatmensch nicht maßlos verschulden könne, dürfe auch der Staat als Ganzes sich nicht verschulden und müsse von dem Geld leben, welches er einnimmt. Ein weiteres Bild, welches in diesem Zusammenhang gerne bemüht wird ist, dass die Staatsschulden eine Last und damit ein Leben auf Kosten der zukünftigen Generationen seien.17)

Auf der Grundlage dieser Darstellungen wurden und werden in Deutschland die staatlichen Ausgaben für Gesellschaft und Infrastruktur eingeschränkt, um keine neuen Schulden aufnehmen zu müssen. Diese Politik wurde im Euroraum auch anderen Ländern (vor allem im Süden Europas) aufgezwungen. Das berühmteste Beispiel ist sicherlich Griechenland,18) aber auch Italien, Irland, Portugal und Spanien sind hiervon betroffen.19)

Wie sinnvoll ist diese Betrachtungsweise und wird sie den volkswirtschaftlichen Zusammenhängen gerecht? Im folgenden wird die Rolle von Schulden im Zusammenhang mit der Giralgeldschöpfung näher betrachtet. Dabei werden Schulden immer als Giralgeldschulden betrachtet.

Die Zerstörung von Giralgeld

Durch die Zurückzahlung eines Darlehens bei einer Geschäftsbank wird das zuvor durch die Bank geschöpfte Geld wieder zerstört. Die sich im Umlauf befindliche Geldmenge verringert sich wieder. Im großen Maßstab der volkswirtschaftlichen Sicht hat dies weitreichende Konsequenzen. Das durch Banken geschöpfte Giralgeld stellt für den Kreditnehmer zunächst eine Schuld dar. Wenn der Kreditnehmer das Geld ausgibt wird es jedoch zu Guthaben anderer Personen. So zum Beispiel durch den Kauf von Konsumgütern oder durch die Bezahlung von Löhnen und Gehältern.

Würden alle Kredite in der Volkswirtschaft zurückbezahlt dann müssten auch die Giralgeldguthaben alle wieder verschwinden. Dem Wirtschaftskreislauf würde also das Giralgeld entzogen und es könnte sich keine wirtschaftliche Aktivität mehr auf der Grundlage von Giralgeld entfalten. In einer Volkswirtschaft in der die Giralgeldschöpfung durch Bankenkredite stattfindet müssen also zwingend immer Schulden bestehen, damit es überhaupt Giralgeld geben kann.

Die Bundesbank stellt in veröffentlichtem Lehrmaterial fest: 20)

In dem gewiss hypothetischen Fall, dass alle Kreditnehmer ihre Schulden bei den Banken gleichzeitig tilgen, würde das durch Kredite geschaffene Buchgeld in der Tat wieder verschwinden.

Ist dieser Zusammenhang erkannt wird auch die Bewertung der Politik der Sparsamkeit möglich. Diese Politik hat zum Ideal, dass niemand (Staaten, Bürger, Unternehmen) neue Schulden aufnimmt bzw. langfristig diese Schulden auch getilgt werden. Diese Vorgehensweise muss also auf die Dauer zu einem Stillstand wirtschaftlicher Vorgänge führen, da weniger Geld im System zur Verfügung steht. Auch das Bild von Schulden als Last für zukünftige Generationen ist nicht überzeugend. Schulden sind immer gleichzeitig auch Guthaben eines anderen Teilnehmers in der Wirtschaft. Wenn also zum Beispiel die staatlichen Schulden alle in Form von Staatsanleihen an die eigenen Bürger ausgegeben wurden dann handelt es sich aus Sicht der Bürger um Guthaben, für die sie Verzinsung erhalten. Darüber würden sich zukünftige Generationen vermutlich gar nicht beschweren (jedoch siehe unten: Rolle der Zinsen, woher kommen sie?).

Die Rolle von Zinsen im Geldsystem

Weiter oben wurde festgestellt, dass Giraldgeld durch Kreditaufnahme bei den Geschäftsbanken entsteht. Diese Kreditaufnahme beinhaltet noch ein weiteres Element, das bislang noch nicht betrachtet wurde. Die Bank verlangt Zinsen für die Bereitstellung des Giralgeldes. Diese Zinsen können sozusagen als Anreiz für die Geschäftsbanken betrachtet werden, überhaupt Kredite zu vergeben und damit Giralgeld zu schöpfen. Die Zinsen stellen somit auch die eigentlichen Einnahmen der Geschäftsbanken dar. Wenn ein Kredit vollständig getilgt wurde und das zuvor geschöpfte Giralgeld wieder vernichtet ist, bleiben für die Bank nur die Zinsen zurück. Die Bank hat daher auch ein Interesse daran möglichst hohe Zinsen zu berechnen, oder aber auch möglichst lange Zinsen zu berechnen. Das heißt, dass die Zurückzahlung eines Kredits nicht im Interesse der Bank ist, so lange der Kreditnehmer die Zinsen aufbringen kann.

Bei Betrachtung des Gesamtsystems stellt sich das Element des Zinses jedoch als problematisch heraus. Denn die Zinsgelder werden nicht von den Banken mitgeschöpft, sie müssen also aus einer anderen Quelle kommen. In Lehrmaterial der Bundesbank heißt es etwas verharmlosend: 21)

Wenn eine Geschäftsbank einen Kredit gewährt hat: Woher stammt das Geld für die Zinsen, die zusätzlich zur gewährten Kreditsumme zurückgezahlt werden müssen? Bei der Geldschöpfung durch Kreditvergabe wird das Geld, das für die Zinszahlung benötigt wird, doch nicht mitgeschöpft.

Der Blick auf eine einzelne Kreditschöpfung greift zu kurz. In einer dynamischen Volkswirtschaft werden ständig Kredite vergeben bzw. getilgt und Vermögenswerte angekauft bzw. verkauft. Geldmenge und Realwirtschaft entwickeln sich dadurch im Idealfall gleichgerichtet. Fördern beispielsweise die Kredite das realwirtschaftliche Wachstum, dann können aus dem daraus entstehenden Einkommen Kredit und Zinsen zurückgezahlt werden.

Wenn wir das Giralgeld als die einzige mögliche Geldform betrachten (was sie mengenmäßig auch fast ist) dann können die Zinsen letztlich nur aus einem anderen Kredit stammen. Die Zinsen, die für Kredite bezahlt werden müssen „fehlen“ also im System. Und je länger ein Geldsystem besteht, desto größer wird diese Menge des Zinsaufkommens, welches auch immer schneller wächst (mathematisch exponentielles Zinswachstum). Die immer schneller wachsenden Staatsschulden, die regelmäßig mit Hilfe noch größerer Kredite getilgt (abgelöst) werden, zeichnen diesen Zusammenhang sozusagen nach.

Welche Bedeutung hat diese Erkenntnis nun für die Rückzahlung von Schulden? Es folgt daraus, dass es rechnerisch gar nicht möglich wäre alle Schulden zurückzuzahlen, da die Schulden im Verhältnis zum existierenden Giralgeld immer größer werden. Die Schulden sind also ein fester Bestandteil des heute bestehenden Geldsystems. Sie erzeugen jedoch durch das Element der Zinsen einen immer größeren Druck auf die Teilnehmer. Es müssen immer weitere und höhere Schulden aufgenommen werden, um die Zinsen aufzubringen. Daraus lässt sich auch der Drang zum Wirtschaftswachstum ableiten. Immer neue und größere wirtschaftliche Vorgänge bilden in der realen Welt die Grundlage für die Vergabe von noch höheren Krediten zur Geldschöpfung.

Das zweistufige Bankensystem

Unser Bankensystem wird als zweistufiges Bankensystem bezeichnet.3) Eine Stufe über den normalen Geschäftsbanken befindet sich die Zentralbank. Die Zentralbank ist einmalig in jedem Währungssystem. So gibt es für den Euroraum die europäische Zentralbank in Frankfurt. Zuvor war für die Deutsche Mark die Deutsche Bundesbank zuständig (die immer noch existiert und gewisse Aufgaben wahrnimmt). Was macht nun die Zentralbank so besonders, dass sie auf einer höheren Stufe steht?

Zum einen gibt alleine die Zentralbank das Bargeld und damit das einzige gesetzliche Zahlungsmittel aus. Zum anderen akzeptieren die Geschäftsbanken untereinander nicht vorbehaltlos das von ihnen geschaffene Giralgeld. Zur Absicherung von Geldbewegungen zwischen den Banken kommt in der Regel sogenanntes Zentralbankgeld zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um eine Art besonderes Giralgeld, welches ausschließlich von der Zentralbank in Umlauf gebracht wird. Um Zentralbankgeld aufzunehmen zu können müssen die Geschäftsbanken gewisse Sicherheiten gegenüber der Zentralbank nachweisen (aber welche?). Für aufgenommenes Zentralbankgeld müssen die Geschäftsbanken außerdem selbst Zinsen an die Zentralbank entrichten.

Die Zinsen, die die Geschäftsbanken an die Zentralbank zu entrichten haben, sind jedoch immer geringer als die Zinsen, die sie selbst für die Ausgabe von Krediten veranschlagen. In den vergangen Jahren sind in der Folge der Nullzinspolitik der EZB im Euroraum diese Zinsen für Zentralbankgeld sehr gering. Als bremsendes Element für die Bankgenschäfte ist der Leitzins daher derzeit weniger bedeutsam als das knappe Bargeld.

Die Geschäftsbanken können untereinander auch in einer Art Zug-um-Zug-Geschäft ihre selbst geschöpften Giralgelder akzeptieren. Dies kann dann der Fall sein wenn in beide Richtungen Giralgelder ähnlicher Höhe fließen sollen. So haben beide Parteien ein Interesse daran die jeweiligen Gelder zu akzeptieren. Je mehr Girokonten mit laufenden Einzahlungen eine Geschäftsbank hat, desto positiver entwickelt sich für sie die Kreditwürdigkeit bei anderen Banken. Da diese laufenden Einzahlungen in der Regel von anderen Banken stammen, hat die Bank eine Verhandlungsmasse gegenüber diesen Banken und kann ihrerseits verlangen, dass ihre eigenen Giralgelder von den anderen Banken akzeptiert werden.

Auch wenn es den Anschein hat sind nicht alle Zentralbanken der heute bedeutenden Währungen staatliche Organisationen. So ist zum Beispiel die Federal Reserve, die Zentralbank im US-Dollar-System, seit dem frühen 20. Jahrhundert privatisiert. Trotz der wichtigen Rolle der Zentralbank im Geldsystem hat also die Regierung der Vereinigten Staaten keinen direkten Zugriff mehr auf die Zentralbank.

Weiterführende Quellen

Danistakratie-Vortrag von Andreas Popp (Wissensmanufaktur)

Von Andreas Popp gibt es einen guten einführenden Vortrag zum Thema Geldschöpfung und Zins: Video des Vortrags aus dem Jahre 2011.

Die Wissensmanufaktur prägt hier den Begriff Danistakratie, der das Herrschaftssystem der Wucherer beschreiben soll. Dieses System herrscht nach ihrer Überzeugung unabhängig vom oberflächlichen politischen System (Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus, …) schon seit Jahrhunderten.

Einige Zitate aus dem Video:

  • Hinweis auf die Bestrebungen das Bargeld abzuschaffen

    Die Sparvermögen bei dieser Bank lagen […] bei 624 Millionen […] Euro. Nun kucken wir mal, was ist den tatsächlich an gesetzlichen Zahlungsmitteln da. […] befindet sich ein Vermögenswert in Geld in Höhe von 19 Millionen Euro. […] Vielleicht können Sie sich jetzt vorstellen, warum man so scharf darauf ist das Bargeld abzuschaffen und möglichst alles elektronisch umzustellen.

    Andreas Popp, Danistakratie-Vortrag ca. 46:45

  • Hinweis auf die Wirkung des Zinsfaktors in der Geldschöpfung

    Und all diese Funktionen die wir dort haben […] führen natürlich zu einem, nämlich zu weiterer Verschuldung. […] Das heißt hier ist quasi ein inszenierter Krieg vorprogrammiert zwischen den Menschen. Andreas Popp, Danisakratie-Vortrag ca. 49:00

Interview mit Norbert Häring

In diesem Interview geht es um Norbert Härings Buch „Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen“: Video aus dem Jahre 2016.

Norbert Häring hat Volkswirtschaftslehre studiert, ist für die Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ tätig und Autor von Büchern zu volkswirtschaftlichen Themen. In diesem Interview wird über die Rolle des Bargelds, Giralgeldschöpfung und das Betreiben der Bargeldabschaffung gesprochen.

Einige Zitate aus dem Interview:

  • Über den Zusammenhang von Giraldgeld und Bargeld

    Die Banken verdienen ja daran […], dass man mit Schulden der Bank, die die Bank bei uns hat, bezahlen kann und deswegen die Bank ihre Schulden nicht zurückzahlen muss zum größten Teil.

    Das meiste Geld, das wir nutzen ist ja Buchgeld und von den Banken herausgegeben, damit machen die sehr viel Gewinn. Bargeld ist eben noch die Konkurrenz. Einerseits mengenmäßig: Das Geld was als Bargeld umläuft läuft nicht als Buchgeld um und begrenzt das Geschäft, das ist aber nicht so viel. Dann ist es aber eben auch dieses Disziplinierungsinstrument, weil man eigentlich jederzeit - immer weniger, weil es erschwert wird - dem Gesetz nach eigentlich jederzeit sein Buchgeld in Bargeld holen kann. Das bedeutet eben dann, dass die Bank ihre Schuld eben doch zahlen muss […] und immer bedroht ist, dass alle das haben wollen. […] Das dizipliniert und wenn das eben nicht mehr geht und das Geld immer im Bankenkreislauf bleibt und nur von einer zur anderen überwiesen werden kann dann muss das Bankensystem insgesamt seine Schulden bei uns nie mehr bezahlen und […] hat viel weniger Disziplinierung. Norbert Häring, KenFM-Interview ca. 49:09

  • Über die amerikanische Zentralbank FED und ihre private Natur

    […], dass die Federal Reserve of New York (FED), die ja wie eine staatliche Zentralbank gilt aber eine private Organisation ist und den Banken gehört, inzwischen auch ganz offiziell, das wurde eingeräumt, das wurde ja lange in den Beschreibungen verschleiert so nach dem Motto ist was besonderes „halb so, halb so“, aber wenn es dann darum ging Informationen herauszurücken, die man als staatliche Einrichtung rausrücken müsste, da hat sich die Federal Reserve of New York dann ganz offiziell besonnen, dass sie eben keine staatliche Einrichtung ist und das für sie nicht gilt. Norbert Häring, KenFM-Interview ca. 59:25

Interview mit Christoph Pfluger (Vollgeldinitiative "Stop Fake-Money")

In diesem Interview stellt Christoph Pfluger seine schweizer Volllgeldinitiative „Stop Fake-Money“ vor und erläutert einige Aspekte der Geldschöpfung in unseren Wirtschaftssystemen: Video vom 30. Mai 2018.

Christoph Pfluger möchte in der Schweiz über eine Volksabstimmung erreichen, dass kein Giralgeld mehr durch Privatbanken geschöpft werden kann. Geld soll nur noch von einer zentralen staatlichen Institution im Umlauf gebracht werden. In dem Gespräch wird auf die prinzipielle Funktionsweise der Geldschöpfung in unseren Ländern eingegangen. Weiterhin wird die Rolle der Zinsen thematisiert und welche Machtverhältnisse das zur Folge hat.

Einige Zitate aus dem Interview:

  • Über den fehlenden Zins in der Geldschöpfung und die Wachstumsspirale

    Ich muss zurückkommen auf die Geldschöpfung: So viel Geld, so viel Schulden, das ist ein großes Problem, nicht. Da muss ständig neues Geld in dieses System gepumpt werden, das ist der Wachstumszwang, der daraus resultiert. […] Es muss immer genügend neues Geld in das System fließen, damit die, die Fälligkeiten haben, das eben dann bezahlen können. Es braucht schuldfähige Schuldner, die Bilanzen müssen irgendwie geschönt werden. Christoph Pfluger, KenFM-Interview ca. 06:50

  • Über die Machtverhältnisse durch die Art der Geldschöpfung

    […] der Sohn des berühmten Rothschilds, der hat gesagt: Es ist mir egal wer die Gesetze macht, so lange […] ich die Geldschöpfung bestimme. Und es ist ganz klar: Die Gesetze werden nach den Bedürfnissen der Finanzwirtschaft […] gemacht. Das berühmte Gesetz über die SoFFin, das hat eine Anwaltskanzlei […] entworfen. Der Bundestag hatte glaube ich ein oder zwei Wochen Zeit, darüber zu befinden […] das waren […] 400 Seiten […] und [er] hat sich faktisch entmachtet. Der deutsche Bundestag hat damit einem Gremium, das er nicht kontrolliert die ganze Macht gegeben über so viel Geld wie der ganze Bundeshaushalt ungefähr. Christoph Pfluger, KenFM-Interview ca. 09:10


dt/giralgeld.txt · Zuletzt geändert: 12.07.2018 21:47 von Matthias Gerstner