Zwischen Holz und Beton


Da wo ein Wäldchen war, da wo ein Garten aufblühte im Frühjahr und in seinen allerschönsten Farben zur herbstlichen Verwelkung gekommen war, wuchern jetzt die Betongeschwüre unserer Zeit, die auf Landschaft, überhaupt auf Natur keinerlei Rücksicht mehr nimmt, und die nur von der politisch motivierten Geldgier beherrscht ist, von der gemeinproletarischen Betonhysterie, dachte ich auf dem Ohrensessel.

– Thomas Bernhard: Holzfällen

Heute beschäftigen wir uns mit einem Neubau auf dem Gelände des Bayerischen Bauindustrieverbands vor den Toren Wetzendorfs im Norden Nürnbergs. Hier befinden sich auf einer ziemlich großen Grundstücksfläche Anlagen zur Weiterbildung im Bereich Bau und Handwerk. Dazu gehören Schulungsräume, Unterkünfte, Sportanlagen, Werkstätten und einiges mehr.

Das fragliche Gebäude ist schon seit ein paar Jahren fertiggestellt und ist im positiven wie im negativen Sinne außergewöhnlich. Es entspricht nicht unmittelbar den heutigen Entwurfsmustern für neue Gebäude und doch ist es unverkennbar in welcher Zeit und aus welcher Gesellschaft heraus es entstanden ist. Machen wir den Anfang mit einer etwas freundlicheren Aufnahme bei gutem Wetter:

Blick von der linken Seite auf das neue Frontgebäude. Aufnahme vom 31. August 2025.

Dem zufälligen Spaziergänger präsentiert sich ein ziemlich wuchtiges graues Gebäude, welches bei genauerem Hinsehen jedoch regelrecht schlank ist, die Tiefe des Gebäudes beträgt lediglich rund 20 - 30 Meter. Relativ große Fenster an der Frontseite erlauben Einblicke in das Innenleben, lockern jedoch den “Klotz” nicht so richtig auf. Eine Art Treppenstufenfassade sollte dem Bau, der sicherlich als “repräsentativ” geplant wurde, wahrscheinlich etwas Lebendigkeit einhauchen. In Verbindung mit den Rillen in der Front drängt sich mir eine Erinnerung an die Playmobil-Ritterburg aus den Achtzigerjahren auf, mit der ich als Kind spielen durfte, nur ohne Türme und Tore.

Blick von Vorne auf das neue Frontgebäude. Aufnahme vom 31. August 2025.

Wenn wir der Sache die Lieblichkeit des Sonnenscheins nehmen wird das ganze Ausmaß der Katastrophe erst so richtig sichtbar. Hier eine Aufnahme aus dem jüngsten Winter.

Blick auf das neue Frontgebäude im Winter. Aufnahme vom 15. Februar 2026.

Es gibt von diesem Ort jedoch auch positives zu berichten. Neben dem grauen Frontbau wurde auch ein Parkhaus gebaut, an dessen Stelle sich zuvor eine offene Parkfläche für Autos befand. Bei diesem Parkhaus hat man sich für eine interessante Holzbauweise entschieden.

Blick auf die Einfahrt des Holzparkhauses. Aufnahme vom 6. März 2025.

Je nach Jahreszeit und Einfall des Sonnenscheins kann dieser Bau fast eine liebliche Komponente entwickeln.

Blick auf eine Ecke des Holzparkhauses. Aufnahme vom 31. August 2025.

Da kann man sich nun fragen, weshalb die Menschen ihre Autos lebensfroher unterbringen, als sich selbst. Immerhin können die Planer des Bauindustrieverbands an diesem Beispiel den Kollegen vom Umweltturm mal zeigen, wie man richtig mit Holz baut.

Wie üblich will ich zum Vergleich auch den Blick in die Vergangenheit wagen. Die alte Bausubstanz ist nun auch keine Offenbarung. Der Eingangsbereich der Anlage zeigte sich jedoch sehr viel freundlicher bevor dieser neue Frontbau entstanden ist.

Blick auf den Eingangsbereich der Anlage. Aufnahme vermutlich im Sommer 2007.

Auch einen Blick auf die alten Gästehäuser wollen wir werfen.

Blick auf die Gästehäuser im hinteren Bereich der Anlage. Aufnahme vom 15. Februar 2026.
Blick auf die Gästehäuser im hinteren Bereich der Anlage. Aufnahme vom 31. August 2025.

Hier sehen wir eine zwar einfache aber doch wohnliche Bauweise, die - wie so oft - den modernen Neubau meiner Meinung nach leicht aussticht, was die menschlichen Qualitäten angeht.

Hinweis: Alle in diesem Beitrag veröffentlichten Bilder sind private Aufnahmen des Autors. Ich stelle Ihnen die Bilder gerne zur weiteren nicht-kommerziellen Verwendung zur Verfügung, wenn Sie auf mich als Urheber verweisen.