Wartende Grundstücke


Ja, ich werde hinfahren. Nur sind da immer die Städte, die zähen langgestreckten Befestigungen, labyrinthische Flugfallen, schwer durchdringlich, ineinander verzahnt, […] die sollte ich nach Möglichkeit vermeiden. Im Fahren werde ich Augenzeuge ihres Anwachsens, sehe wie sie sich dehnen, sich über freies Feld wälzen, Schuttberge fressen, um sie andernorts wieder auszuspeien, um Riesiges angewachsen, Dörfer schlucken, Schrebergärten auflecken, den Boden ebnen und den winzigen Keim einer Trabantenstadt setzen […].

– Wolfgang Hildesheimer - Tynset

In diesem Beitrag zu Architektur und Natur geht es um ein Gebiet südöstlich des Ortskerns von Wetzendorf welches zwischen der Bielefelder Straße, der Düsseldorfer Straße und der Ringbahn verläuft. Rund um dieses Gebiet bestehen schöne Spazier- und Radfahrwege die interessante Einblicken auf unbebaute oder aufgegebene Grundstücke bieten, die verwildern und so der Natur wieder Raum geben sich zu entfalten.

Die Bilder in diesem Beitrag wurden, soweit nicht anders bezeichnet, am 12. August 2025 aufgenommen.

Wir beginnen unsere Runde auf einem Wegstück, welches der Ringbahn entlang von der Jülicher Straße zur Bielefelder Straße und der dortigen Eisenbahnbrücke führt. Das folgende Bild aus dem Sommer 2025 zeigt den Weg in voller grüner Pracht der umstehenden Bäume.

Blick auf das Wegstück von der Jülicher Straße zur Bielefelder Straße.

Auf der rechten Seite des Weges befindet sich die Ringbahn. Auf der linken Seite befinden sich zunächst einige Kleingärten, die nur wenig Einsicht erlauben, bis man ein erstes unbebautes Grundstück erreicht. Eine Reihe schöner Bäume wurden auf dem Grundstück stehen gelassen. Seit vielen Jahren wird jedoch regelmäßig das hochschießende Gras und andere nachwachsende Pflanzen entfernt. Bis voriges Jahr hat hier auch ein Imker seine Bienen platzieren dürfen. Die folgenden Bilder bieten einen Einblick in das Grundstück. Sehr schön zu sehen ist auch eine herrliche Trauerweide an der Grenze zum nächsten Grundstück.

Blick auf das regelmäßig kurzgemähte Grundstück (1).
Blick auf das regelmäßig kurzgemähte Grundstück (2).
Blick auf das regelmäßig kurzgemähte Grundstück (3).

Dieses wie auch die meisten anderen in diesem Beitrag genannten Grundstücke werden mindestens einmal jährlich “herausgeputzt”, obwohl keine aktive Nutzung der Fläche besteht. Dies lässt vermuten - oder befürchten -, dass hier darauf spekuliert wird die Grundstücke bald als Bauland gut verkaufen zu können.

Unser Weg führt uns weiter zu einigen älteren Wohngebäuden. Das folgende Bild zeigt eine (ehemalige?) Einfahrt zu einem schönen Anwesen mit großem Garten. Vor einiger Zeit wurde das Tor der Einfahrt durch einen Bauzaun ersetzt. Die Trauerweide markiert die Grundstücksgrenze.

Blick auf die (ehemalige?) Einfahrt zu einem Wohngebäude mit großem Garten.

Als nächstes passiert man ein bewohntes aber wenig bemerkenswertes Gebäude, bis der Blick auf ein altes Hinterhaus auf demselben Grundstück frei wird. Dieses ist im Stil alter Land- und Bauernhäuser dieser Gegend gehalten: mit einem hohen Satteldach. Das genaue Alter lässt sich schwer bestimmen. Viele Häuser in diesem Stil sind schon um die 100 Jahre alt. In diesem Fall vermute ich jedoch ein jüngeres Baujahr vielleicht aus den Fünfziger oder Sechziger Jahren.

Blick auf ein älteres Wohngebäude im typischen Stil der Gegend.

Am Ende des Weges bietet sich noch der Blick auf einen verwilderten Kleingarten, dessen Zaun schon beginnt auseinanderzufallen. Dieses Grundstück wird offensichtlich nicht herausgeputzt. Im Hintergrund ist noch die Rückseite des Wohngebäudes von vorher zu erkennen.

Blick auf einen verwilderten Garten.

Bevor wir das Wegstück in Richtung Bielefelder Straße verlassen wenden wir den Blick noch einmal zurück auf zwei herrliche Ahorne, die vermutlich bewusst hier als Markierung der Einfahrt auf den Weg gepflanzt wurden.

Blick zurück auf das Wegstück mit flankierenden Ahornen.

An den Ahornen vorbei erreichen wir die Brücke über die Ringbahn und das Ende der Bielefelder Straße. Hier am Übergang zum Bienweg wurden vor einigen Jahren zeitgenössische Wohnhäuser gebaut, wo vormals landwirtschaftliche Flächen und Grünflächen zu finden waren. Was einen hier erwartet ist das übliche Elend: Sichtbeton, Anthrazit, Steingärten, Schießschartenfenster und interessanterweise im entsprechenden Farbstil gehaltene Automobile. Immerhin hat man sich hier noch Satteldächer anstatt Flachdächer gegönnt. Es rettet allerdings auch nichts mehr.

Moderne Wohnbauten Ecke Bielefelder Straße / Bienweg (1).
Moderne Wohnbauten Ecke Bielefelder Straße / Bienweg (2).
Moderne Wohnbauten Ecke Bielefelder Straße / Bienweg (3).

Auf diesem letzten Bild spitzt im Hintergrund noch ein altes Bauernhaus hervor, welches hier ursprünglich für sich stand. Selbst dieser kleine Ausschnitt mutet bereits um ein vielfaches wärmer und menschlicher an, als die modernen Geschwister, die jetzt im Vordergrund stehen.

Moderne Wohnbauten Ecke Bielefelder Straße / Bienweg (4) mit altem Bauernhaus im Hintergrund.

Eine Idee wie es hier früher aussah kann das folgende Bild von ca. 2007 geben.

Alte Aufnahme von ca. 2007 von der Ecke Bielefelder Straße / Bienweg

Die folgende Aufnahme zeigt ein Stück der unbebauten Seite der Bielefelder Straße weiter aufwärts. Mit den Steinpfosten und Bäumen am Wegesrand entsteht hier ein Eindruck wie auf einer alten Landstraße vor 50 Jahren. Die Blickrichtung folgt der Einfahrt über die Bahnbrücke nach Wetzendorf.

Rechte Seite der Bielefelder Straße in Richtung Wetzendorf.

Gegenüber der Einfahrt zum Delsenbachweg verlassen wir die Bielefelder Straße in Richtung eines Kieswegs der bis zur Kölner Straße / Düsseldorfer Straße führt. Hier stoßen wir zunächst auf einen Selbsterntegarten. Dies ist eines der wenigen Grundstücke auf dem betrachteten Areal, welches eine sinnvolle Nutzung erfährt.

Selbsterntegarten am Beginn des Kieswegs an der Bielefelder Straße 11.

Weiter den Weg entlang stoßen wir auf der linken Seite auf eine ganze Reihe verwilderter Grundstücke. Eines davon wurde oder wird noch gewerblich genutzt. Einige von ihnen wurden in den letzten Jahren ebenso kahl geschoren wie das eingangs erwähnte Grundstück. Dies lässt nicht allzu viel Gutes erwarten.

Verwaistes Grundstück (1).
Verwaistes Grundstück (2).
Verwaistes Grundstück (3).
Verwaistes Grundstück, früher (?) gewerblich genutzt (4).
Verwaistes Grundstück (5).
Verwaistes Grundstück (6).
Verwaistes Grundstück (7).
Verwaistes Grundstück (8).

Auf der rechten Seite des Wegs wurden vor ca. 15 Jahren Einfamilienhäuser errichtet. Dankenswerterweise nicht im gewalttätigen modernen Stil. Man kann sie ansehen ohne zu erschrecken. Auch wenn sie sonst nicht besonders bemerkenswert sind.

Blick auf Einfamilienhäuser auf der anderen Seite des Wegs (1).
Blick auf Einfamilienhäuser auf der anderen Seite des Wegs (2).

Etwa auf halber Strecke des Kieswegs findet sich dieser Trampelpfad in Richtung Jülicher Straße. Das Grundstück war in den Neunziger Jahren noch eine landwirtschaftliche Fläche, hat sich mittlerweile aber in eine Art Sandgrube verwandelt, an der sich die Nachbarn bedienen.

Ehemalige landwirtschaftliche Fläche, heute Trampelpfad in Richtung Jülicher Straße.

Weiter den Kiesweg entlang folgen noch eine Reihe ungenutzter Grundstücke. Teilweise wurden hier früher Kleingärten betrieben, nur noch wenige solcher Gärten existieren heute noch. Einige der Grundstücke bieten wildromantische Einblicke.

Weiteres ungenutztes Grundstück.
Wilde Romantik (1).
Wilde Romantik (2).

Auf dieser Höhe des Wegs endet die Reihe der Einfamilienhäuser und es beginnen die rückwärtigen Grundstücke einer sich hier befindlichen Gartenschule. Hier kann man unter anderem Hühner ihrem Alltag nachgehen sehen. Früher wurden hier sogar noch Pferde gehalten.

Hühner auf einem Grundstück der hier befindlichen Gartenschule.

Die folgende Aufnahme zeigt das letzte Stück des Kieswegs bevor man in Richtung Düsseldorfer / Kölner Straße abbiegt.

Letztes Stück des Kieswegs in Richtung Düsseldorfer Straße.

Wo der Weg wieder offener wird spitzt auf der rechten Seite ein alter Bekannter hervor: Der Umweltturm.

Blick auf den im Bau befindlichen "Umweltturm" am Nordwestring.

In der Kehre zur Kölner Straße tut sich eine schöne Wiese mit Baumbestand im Hintergrund auf.

Wiesengrundstück mit Baumbestand im Hintergrund.

Jedoch wurde genau diesem Grundstück bereits etwas abgeknapst für einen Kindergarten am Ende der Düsseldorfer Straße. Es ist ein Kindergarten im gefürchteten modernen Stil. Mit hilflos wirkenden Farbkombinationen hat man hier versucht dem Zweck des Gebäudes etwas gerechter zu werden. Wenigstens haben die Kinder derzeit noch einiges Grün um sich herum.

Kindergarten am Ende der Düsseldorfer Straße.

Damit endet diese Runde um ein verwildertes Gebiet, welches sonst in der Stadt nur selten gebotene Einblicke in Natur und Grün bietet. Leider muss man befürchten, dass im Rahmen der immer noch herrschenden Bauwut “der Sack zugemacht wird” und die letzten ungenutzten Flächen südlich der Ringbahn alle der modernen Wohndepression zum Opfer fallen, die sich kaum einer mehr leisten kann und mancher auch nicht leisten will.

Wie ideal wäre dieses Gebiet um etwa einen öffentlichen Park einzurichten. Doch dafür gibt keiner einen Heller. So etwas gibt es höchstens als Bestandteil eines Kuhhandels: 90% der Fläche machen wir mit Beton platt und dafür gibt es auch einen netten kleinen Park für die Leute, wenn ihr dann Ruhe mit der Naturduselei gebt.

Hinweis: Alle in diesem Beitrag veröffentlichten Bilder sind private Aufnahmen des Autors. Ich stelle Ihnen die Bilder gerne zur weiteren nicht-kommerziellen Verwendung zur Verfügung, wenn Sie auf mich als Urheber verweisen.